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Expertengruppe
Intelligente Energienetze

Durch den massiven Zubau erneuerbarer Energien ändern sich die Anforderungen an die Stromnetze grundlegend. Die Digitalisierung der Energienetze und des Energiemarkts sind zentral für das Gelingen der Energiewende. Die Energiewende liefert den Lackmustest dafür, inwieweit es gelingt, den Ordnungsrahmen für die Digitalisierung einer kritischen Infrastruktur zu setzten, der nachfolgend von den Unternehmen im Wettbewerb um die effizientesten Lösungen ausgefüllt wird.

Neue, innovative Wege müssen gefunden werden, die erneuerbaren Energien in die Netze und in den Energiemarkt zu integrieren. Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) können in Verbindung mit neuen Planungsansätzen einen signifikanten Beitrag dazu leisten, die zunehmende Komplexität in der Stromversorgung stabil und sicher beherrschbar zu machen. Es gibt bereits eine Vielzahl innovativer Ideen und Geschäftsmodelle für Intelligente Energienetze im Markt, die jedoch zum Durchbruch klare staatliche Rahmenbedingungen beim Datenschutz, bei der Anreizregulierung und beim Rollout intelligenter Messsysteme benötigen.

Ziele/Priorisierte Fokusthemen

Ziel der Expertengruppe in 2016 ist es, die Umsetzungsgeschwindigkeit der im Status- und Fortschrittsbericht 2015 dargestellten Schwerpunktthemen zu erhöhen:

1. Smart Meter Rollout

Die Verzögerungen in den letzten Jahren und die an­haltende Unsicherheit über den Rechtsrahmen haben zu einer besorgniserregenden Investitionszurück­haltung geführt. Dies hat einen Stillstand des Marktes in Deutschland zur Folge und gefährdet massiv die Position deutscher Unternehmen im internationalen Wettbewerb dieses Segments. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen nun so schnell wie möglich finalisiert und ver­abschiedet werden.

2. Anreizregulierung für (IKT-)Investitionen

Die Energiewende erfordert erhebliche Investitionen in intelligente Verteilnetze als Plattform für zukünftige Märkte. Die entsprechenden Eckpunkte des Bundes­ministeriums für Wirtschaft und Energie für eine ­Weiterentwicklung der Anreizregulierung sind jedoch nicht dazu geeignet, Investitionen der Verteilnetz­betreiber besser zu ermöglichen. Hier besteht erheb­licher Korrekturbedarf.

3. Rechtliche Rahmensetzung für Marktrollen

Mit der Vorlage des Regierungsentwurfs für ein Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende sowie dem Weißbuch liegen konkrete Vorschläge zur notwendigen Anpassung des rechtlichen Rahmens vor. Zur Übernahme und Integration von neuen Aufgaben z. B. im Rahmen des Flexibilitäts- und Speichermanagements ist zu prüfen, inwieweit bestehende Marktrollen mit neuen ­Aufgaben ausgestattet werden müssen oder ob es erforderlich ist, neue, zusätzliche Marktrollen (z. B. Aggregator) gesetzlich zu definieren. Ebenso sind die Marktprozesse ­hinsichtlich ihrer Eignung und Effizienz zu überprüfen und zu ändern, um Innovationen zu ermöglichen und die damit verbundenen Investitionen zu fördern.

4. Geschäftsmodell für Errichtung und branchenübergreifende Nutzung der IKT-Infrastruktur

Neben der Sicherung der Energieversorgung und Stabilisierung der Netzinfrastruktur sind die Nutzung von Synergien und die Entwicklung von Mehrwert­diensten enorm wichtig für die Akzeptanz des ­Smart Meter Rollouts in der Bevölkerung und für die Generierung von zusätzlichen Ertragspotenzialen für die Marktakteure. Synergien können insbesondere dadurch gehoben werden, dass möglichst viele ­Verbrauchstypen weiterer Sparten wie z. B. Wärme und Wasser über das Smart Meter Gateway aus­gelesen und übertragen werden. Entsprechende Geschäftsmodelle sollten gefördert werden.

5. Institutionalisierung nationaler Dialog und Informationskampagne Intelligente Energienetze

Entscheidend für die Akzeptanz der Digitalisierung ist der unmittelbare Nutzen beim Verbraucher sowie die Themen Datenschutz und Datensicherheit. Zugleich sind die Kenntnisse über die Möglichkeiten einer digitalen Energiewende in der Bevölkerung noch gering. Ein Dialog zur Digitalisierung über die Energie­wende-Plattformen im BMWi hinaus fand ­bislang nicht statt. Aufgrund der erheblichen Verzögerungen beim Rechtsrahmen für Intelligente Netze und Zähler wurden weder von der Wirtschaft noch von der Bundespolitik größere Informationskampagnen gestartet. Dabei ist ein früher Dialog mit den Nutzern im Bereich der regulierten Industrien essenziell. Hier sind jetzt beide Akteure gefordert.

Vorsitz der Expertengruppe

Andreas_Breuer_PG_Energie

Dr. Andreas Breuer

innogy SE

andreas.breuer@innogy.com

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Dr. Frank Schmidt

T-Systems International GmbH
frank.schmidt01@t-systems.com

ampel

Status und
Fortschritt 2015

Intelligente
Energienetze

Das Arbeitsprogramm 2016 der Expertengruppe Intelligente Energienetze umfasst folgende Schwerpunkte:

  1. Intensiver Dialog mit Stakeholdern aus Politik und Bundesbehörden über die im bisherigen Prozess erarbeiteten Ergebnisse der Expertengruppe, um in 2016 die Konkretisierung eines Masterplans „Intelligente Energie“ zu erreichen.
  2. Mit der Konvergenz von Energie- und IKT-Branche muss auch die Ausbildung der Facharbeitskräfte mittelfristig beide Bereiche gleichwertig abdecken. Die Expertengruppe setzt sich in diesem Jahr verstärkt für eine bessere Ausbildung von Fachkräften im Bereich Intelligenter Energienetze ein.
  3. Die Expertengruppe wirkt an den gemeinsamen Projekten der Fokusgruppe Intelligente Vernetzung mit. Mit dem Ziel eines gemeinsamen Angangs ausgewählter domänenübergreifender Themen mit Energiebezug vernetzt sie sich noch stärker mit weiteren Arbeitsgruppen im Digital-Gipfelprozess.

Zielbild Intelligente
Energienetze 2020:

Intelligenz im Energienetz ist Grundlage der Energiewende.

Gesellschaftliche Ebene
Teilhabe und Dialog für einen gesellschaftlichen Konsens

2020 sind die gesellschaftlichen Herausforderungen durch den Umbau der Energieversorgung bewältigt. Die Bürgerinnen und Bürger verstehen sich als eigenständig agierender Teil des Energienetzes und sind an relevanten Entscheidungen beteiligt. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Partizipation fördern   Energieautarkie gesellschaftsverträglich machen   Optimierter Energienetzausbau unter effizienter Einbindung von IKT erhöht die gesellschaftliche Akzeptanz   Fachkräftebedarf decken

Rechtliche/Regulatorische Ebene
Angepasste Rahmenbedingungen schaffen Sicherheit und Perspektive

2020 sind die Rahmenbedingungen für Marktrollen und Kommunikationsplattformen angepasst worden und funktionieren als Basis für das umgebaute Energiesystem. Der Umgang mit den in vielen Bereichen neu anfallenden Daten sowie Verantwortlichkeiten und Kompetenzen ist in Form von Gesetzen, Verordnungen und Regulierung geregelt. Investitionssicherheit für die Marktrollen ist durch den Rechtsrahmen geschaffen. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Ordnungsrahmen für Marktrollen schaffen   Rahmenbedingungen für Plattformen festlegen   Datenschutz und -sicherheit gewährleisten   Optimales Anreizsystem für Investitionen in IKT setzen

Business-Ebene
Neue Marktteilnehmer fördern die Marktdynamik

2020 hat eine neue Marktarchitektur zum Eintritt neuer Akteure, intensiveren Austauschbeziehungen und innovativen Geschäftsmodellen für netz- und endkundenorientierte Dienste geführt. Wesentliche Herausforderungen des umgebauten Energiesystems, z. B. Netzstabilität, werden effizient und zuverlässig über Marktmechanismen gelöst. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Neue Geschäftsmodelle ermöglichen   Neue Akteure und Rollen etablieren   Erhöhte Marktdynamik schaffen   International integrierte Geschäftsmodelle statt Insellösungen anstreben

Prozess-Ebene
Effizienz durch marktrollen-übergreifende Abläufe

Neue Geschäftsmodelle und Rollen benötigen entsprechende Prozesse und Lösungen. Ein Großteil von neuen Marktaktivitäten spielt sich dabei auf lokaler und regionaler Ebene im Verteilnetz ab. Die dazu erforderlichen Informationen werden 2020 für die einzelnen Marktrollen diskriminierungsfrei zugänglich gemacht sein. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Prozess-Framework für Smart Grid und Smart Market etablieren   Effiziente Prozesse gewährleisten Netzstabilität und Interaktion   Koordinierte nationale und internationale Aktivitäten durchführen   Akteursübergreifende Systeme für Daten-Management und -Verarbeitung

Technische Ebene
Sichere IKT ermöglicht das Zusammenspiel im neuen komplexen Energiesystem

Die Zunahme von dezentraler Energieerzeugung und von Marktaktivitäten führt zu einer erheblich höheren Komplexität der Energieversorgung. IKT ermöglicht 2020 den problemlosen Datenaustausch und das Zusammenspiel unterschiedlichster Akteure unter Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Branchenübergreifende IKT-Standards einführen   Effizienten Datenaustausch gewährleisten   Dezentralisierung der Energienetzführung mittels IKT unterstützen   Rollenmodell zur IKT-Nutzung abbilden   Versorgungszuverlässigkeit wahren

Ergebnisse der Expertengruppe Intelligente Energienetze


2016

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Deutschland intelligent vernetzt
Digitale Bildung 2016
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161110_FG2_Cover_Energie

Intelligente Energienetze erfordern Fachkräfte mit neuen und fachübergreifenden Qualifikationen
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