Expertengruppe
Intelligente Gesundheitsnetze

Die demografische Entwicklung in Deutschland lässt die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen schneller steigen als die Kapazitäten der Leistungserbringer. Geografische Ungleichverteilungen lassen einen relativen Mangel an Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten entstehen. Durch eine enge Vernetzung zentraler und dezentraler Gesundheitseinrichtungen sowie den Einsatz innovativer  Technologien könnten diese Herausforderungen bewältigt werden.

Für eine effektive Nutzung technologiebasierter Lösungen im Gesundheitssektor sind jedoch nach wie vor hohe Hürden zu beseitigen, darunter das Fehlen einer landesweiten, sektorübergreifenden Digitalstrategie für das Gesundheitswesen, der Mangel an Interoperabilität von Anwendungen in der Telematikinfrastruktur, das Fehlen einer standardisierten und sicheren Patientenaktenstruktur sowie die nur vereinzelt vorhandene und zumeist unattraktive Abrechenbarkeit von Telemedizin und Einschränkungen der Fernbehandlung. Die Expertengruppe Intelligente Gesundheitsnetze hat es sich zum Ziel gesetzt, einen wesentlichen Beitrag zur zügigen Umsetzung der intelligenten Vernetzung in die Regelversorgung zu leisten. Hierfür will die Expertengruppe relevante Akteure zusammenzubringen, Erfahrungswissen bündeln und für Entscheider der Bundesregierung, der Bundesländer, Kommunen und Städte sowie Unternehmen und Verbände nutzbar machen. Sie will den Status- und Umsetzungsfortschritt im Rahmen des Stakeholder Peer Review Prozesses der Digital-Gipfel Fokusgruppe Intelligente Vernetzung sichtbar machen und Beiträge zur beschleunigten Realisierung intelligenter Gesundheitsnetze leisten sowie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Feld der Gesundheits-IT beschleunigen. Insbesondere soll politischen Entscheidungsträgern auf allen staatlichen Ebenen eine Orientierungshilfe gegeben werden.

Das Arbeitsprogramm 2018 der Expertengruppe Intelligente Gesundheitsnetze umfasst folgende Schwerpunkte:

  1. Definition von Handlungsempfehlungen und Erstellung einer Roadmap „Intelligente Gesundheitsnetze“
  2. Formulierung von Forderungen an eine Digitale Agenda II (basierend auf Handlungsempfehlungen/Roadmap)
    Mögliche Inhalte/Schwerpunktthemen:
    – Auswirkungen digitaler Technologien, wie Künstliche Intelligenz und Robotik, auf Berufsbilder im Gesundheitswesen
    – Abrechenbarkeit telemedizinischer Leistungen
  3. Mitwirkung an weiteren übergreifenden Aktivitäten der Fokusgruppe Intelligente Vernetzung (DIV-Report, Parlamentarischer Dialog, DIV-Konferenz)

Zielbild Intelligente
Gesundheitsnetze 2020:

Gesellschaftliche Ebene
Telemedizin sichert die Versorgung

2020 steht dem Mehrbedarf an medizinischer Behandlungskapazität ein sich verringerndes Angebot an Medizinern gegenüber. Telemedizin sichert die medizinische Versorgung auch in strukturschwachen Regionen. Individualisierung der Medizin ermöglicht maßgeschneiderte Therapien mit bestmöglichen Behandlungsergebnissen. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Individualisierung der Medizin   Empowerment der Patientinnen und Patienten   Bessere Gesundheit durch Eigenverantwortung   Effizienz durch innovative Ausblildung

Rechtliche/Regulatorische Ebene
Gesetzliche Regelungen ermöglichen neue Wachstumsimpulse

2020 ist die im Versorgungsstrukturgesetz von 2011 festgelegte Roadmap für den flächendeckenden Wirkbetrieb von Telemedizin umgesetzt. Mehr Rechtssicherheit beim IT-Outsourcing schafft die Grundlage, dass spezialisierte Dienstleister eingesetzt werden können. Die Möglichkeiten der elektronischen Gesundheitskarte werden umfassend genutzt. Wesentliche
Zielbildbausteine sind:

§ 291 a SGB V Telematikinfrastruktur   § 630 a ff. BGB Portabilität elektronischer Patientenakten   § 80 Abs. 5 SGB X Rechtssicherheit beim Outsourcing   § 203 StGB Ausgleich zwischen ärztlicher Schweigepflicht und Beauftragung externer IT-Dienstleister   §11 BDSG Auftragsdatenverarbeitung

Business-Ebene
Wissensmanagement und personalisierte Medizin

2020 werden intelligente Wissensdatenbanken helfen, das stetig wachsende Informationsangebot intelligent zu nutzen, und Behandler und Patienten unterstützen. Insbesondere in der Pharmakologie kann gezielt und individuell behandelt werden. Der klassische erste Gesundheitsmarkt wird zunehmend mit dem zweiten Gesundheitsmarkt durch intelligente ITAnwendungen vernetzt und bietet weitere qualitätsgesicherte medizinische Zielgruppeninformationen. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Semi-medizinische Angebote   Zusammenarbeit und Arbeitsteiligkeit   Medizinische Zielgruppeninformationen   Personalisierte Medizin   Steigender Bedarf an Betreuung

Prozess-Ebene
Patientensicherheit und personalisierte Medizin

2020 ist eine lückenlose medizinische Versorgung auch in dezentralen Regionen durch ein enges Zusammenspiel der Leistungserbringer mit ITUnterstützung sichergestellt. Der Patient wird in seinem häuslichen Umfeld mit IT sowie Sensorik und Aktorik unterstützt, um Gefahrensituationen abzuwenden. Alle für den Versorgungsprozess relevanten Daten stehen allen entsprechenden Leistungserbringern zur Verfügung. Die Semantiken und Ontologien der unterschiedlichen Systeme sind interoperabel. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Dezentralisierte medizinische Leistungserbringung   Versorgungseinheiten überschreitende Datenbereitstellung   Förderliche Rahmenbedingungen für Zusammenarbeit und Delegation   IT-Assistenzsysteme

Technische Ebene
Sensorik, Miniaturisierung, Robotik, Expertensysteme, IoE

2020 profitieren Patienten, Heilberufler und Gesundheitssystem von den Fortschritten der Genom-Analyse und personalisierten Medizin, der Miniaturisierung der Sensoren mit den verstärkten Möglichkeiten der dezentralen Diagnostik und Therapie, der Videokommunikation sowie den unterstützenden und entlastenden Funktionen, die Avatare, medizinische Expertensysteme, Roboter und elektronische Gesundheitsakten zur Verfügung stellen. Das Internet of Everything vernetzt diese Komponenten und bildet so die Grundlage der Intelligenten Gesundheitsnetze. Wesentliche Zielbildbausteine sind:

Genom-Analyse   Miniaturisierte Sensorik   Expertensysteme/Big Data/Robotik/IoE   Standard-basierte, internationale Interoperabilität

Intelligente Gesundheitsnetze sind das Herzstück der modernen Medizin.

Vorsitz der Expertengruppe

Klaus Juffernbruch (2)

Prof. Dr. med. Dipl.-Inform. Klaus Juffernbruch

FOM Hochschule für Oekonomie & Management gGmbH
klaus.juffernbruch@fom.de

Prof._Dr._Gernot_Marx_PG-Gesundheit

Univ.-Prof. Dr. Gernot Marx

Universitätsklinikum der RWTH Aachen
gmarx@ukaachen.de

DIV Report Spezial Digitale Gesundheit 2017

Intelligente Gesundheitsnetze

DIV Report Spezial Digitale Bildung 2016

Intelligente
Gesundheitsnetze

Status und
Fortschritt 2015

Intelligente
Gesundheitsnetze

Arbeitsprogramm 2017

Ergebnisse der Expertengruppe Intelligente Gesundheitsnetze


2017

Deutschland intelligent vernetzt
Digitale Gesundheit 2017
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2016

Deutschland intelligent vernetzt
Digitale Bildung 2016
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Bildung und Health-IT
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2015

Status und Fortschritt Intelligenter Gesundheitsnetze in Deutschland
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2014

Nutzen und Anwendungen Intelligente Gesundheitsnetze
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2013

Ergebnisbericht 2013
Zielbilder Intelligenter Gesundheitsnetze
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2012

Ergebnisbericht 2012
Intelligente Netze im Gesundheitswesen
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